Die Trauer – und wie gehe ich damit um

Die Trauer ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens – immer wieder gibt es Situationen oder Geschehnisse, die uns traurig stimmen.
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Das kann z.B. der Verlust eines geliebten Menschen sein, eine schwere Krankheit, die Enttäuschung über das Verhalten einer Freundin oder eines Freundes, die Nichterfüllung eines innigen Wunsches, aber auch die schwierige Situation vieler Menschen auf der Welt, die von Krieg, Naturkatastrophen usw. betroffen sind.

Wir haben vor einigen Wochen unsere liebe Oma Toppelreiter – unsere Mutter bzw. Großmutter – verloren. Sie starb zu Hause im Kreise der Familie. Wir sind alle dankbar, dass wir sie in der letzten Phase ihres Lebens begleiten durften und erlebten eine sehr intensive Zeit mit ihr.
Für uns Kinder und Enkelkinder war „Oma“ immer eine wichtige Bezugsperson und ein großartiges Beispiel, wie man das Leben meistern kann, auch wenn es oft sehr schwierig ist.

Vielleicht haben auch Sie Ihnen nahestehende Personen durch den Tod verloren und Sie befinden sich in einer ähnlichen Situation.

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Bei meiner Internetrecherche zu diesem Thema habe ich folgendes gefunden:

Wir durchlaufen beim Trauerprozess vier Phasen, bis unser seelisches und körperliches Gleichgewicht wiederhergestellt ist.

  • Die erste Phase ist die Phase des Nicht-Wahr-haben-Wollens. Wir wollen nicht wahrhaben, den geliebten Menschen verloren zu haben, stehen gewissermaßen unter Schock und „funktionieren“ einfach nur, wenn es darum geht, alles, was bei einem Todesfall zu organisieren ist, zu erledigen.
  • Es folgt die schwierigste Phase, nämlich die Phase der aufbrechenden Emotionen. Schmerz, Verzweiflung, Gefühlsschwankungen und Freudlosigkeit bestimmen unser Leben und unsere Gedanken. Wir hadern mit dem Schicksal.
  • Die dritte Phase ist die Phase der langsamen Neuorientierung. Langsam beginnen wir wieder, unsere Zurückgezogenheit aufzugeben und uns nach außen zu orientieren.
  • Die abschließende Phase ist die Phase des neuen Gleichgewichts. Wir schaffen es, einen neuen Bezug zu uns selbst und der Welt aufzubauen und kommen besser mit dem Verlust zurecht. Wir sind zu neuem seelischen und geistigen Gleichgewicht gelangt und haben uns eine neue Lebensaufgabe gesucht.

Meine Art der Trauer

Vielleicht fragen Sie sich, wie ich als Tochter die Trauer erlebe und verarbeite. Ich versuche die Trauer nicht zu verdrängen, sondern sie zuzulassen. Die Gespräche mit Familienmitgliedern, Verwandten und Freunden helfen mir sehr, den Verlust etwas leichter zu verkraften. Auch die Anregung, in den Garten zu gehen, wo mich an verschiedenen Stellen vieles an meine Mutter erinnert, war sehr hilfreich. Natürlich ist es eine große Umstellung, wenn in einem Haushalt plötzlich eine Person fehlt. Ich werde sicher noch lange brauchen, bis ich den Tod meiner Mutter verarbeitet habe.

oma-toppelreiter-trauer-rs-1Hilfreich für mich ist die Tatsache, dass ich den Wunsch meiner Mutter, zu Hause sterben zu können, mit Hilfe meiner Familie erfüllen konnte. Ich mache mir auch täglich klar, dass es ein großes Glück für mich war, meine Mutter so viele Jahre bei guter Gesundheit zu haben. Für all das, was wir in den vergangenen acht Jahren gemeinsam erlebten – Jakobsweg, Reisen, Buch schreiben, Lesungen, Vorträge … – bin ich unendlich dankbar und ich erinnere mich oft und gerne an diese Jahre. Ich hoffe, dass ich es mit Zeit schaffe, die derzeitige Trauer um meine Mutter in eine liebevolle Erinnerung an sie zu verwandeln.

Ich habe in den vergangenen Wochen mit vielen Personen darüber gesprochen, wie sie die Trauer zu verarbeiten. Da gibt es z.B. jemanden, der täglich eine Kerze für Oma anzündet und bei der Gelegenheit mit Oma “spricht“ bzw. sich an sie und an Erlebnisse mit ihr erinnert. Für jemand anderen war es die beste Möglichkeit, hinaus in die Natur zu gehen, die Oma ja auch sehr liebte, und bei einem langen Spaziergang sich gedanklich von Oma innerlich zu verabschieden. Natürlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten, die Trauer zu bewältigen.

Für gläubige Menschen kann auch der Gedanke hilfreich sein, dass es für die Verstorbenen ein Wiedersehen mit den Seelen der Menschen gibt, die sie geliebt haben.

Die Verstorbenen würden uns wohl sagen wollen: „Seid nicht traurig, wenn ihr an mich denkt. Erzählt von mir und lasst mir einen Platz zwischen euch, wo wie ich ihn im Leben hatte.“

Hilfen zur Trauerbewältigung – unsere Empfehlungen für Sie

Sollten Sie in einer ähnlichen Lage sein, möchte ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, folgendes raten:

  • Bedenken Sie, dass die Trauer ein Prozess ist, der sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann.
  • Verdrängen Sie die Trauer nicht, sondern lassen sie sie zu!
  • Jeder trauert anders. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen!
  • Den meisten Menschen hilft es, über den Tod bzw. die oder den Verstorbene(n) zu reden. Manche ziehen vertraute Personen vor, andere wiederum vertrauen sich lieber Fremden an. Wenn man das Gefühl hat, sich selbst nicht helfen zu können, sollte man in Betracht ziehen, eine professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Manchen Menschen hilft es auch, ein Trauertagebuch zu führen.

Ab einem gewissen Zeitpunkt ist es sehr wichtig, sich Gedanken über sein weiteres Leben zu machen und sich die Frage zu stellen:
⇒ Wie will ich mein weiteres Leben gestalten?
⇒ 
Welche Ziele setze ich mir?
⇒ Welche Träume möchte ich mir erfüllen?

Liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe, dass auch für Sie einige Anregungen dabei sind, die helfen, die Trauer zu verarbeiten. Was erscheint Ihnen besonders hilfreich? Haben Sie weitere Anregungen? Wir freuen wir uns, wenn Sie uns diese mitteilen und möchten Sie einladen einen Kommentar zum aktuellen Thema im Anschluss  zu hinterlassen.

Wir wünschen allen, die sich in einer ähnlichen Situation wie wir befinden, dass es Ihnen gelingen möge, ihre Trauer zu verarbeiten und den Weg in ein “neues” Leben zu finden.

Alles Liebe,
Maria vom Oma Toppelreiter Team

 

Wenn ihr mich sucht, sucht mich in euren Herzen. Habe ich dort eine Bleibe gefunden, lebe ich in euch weiter. 
Rainer Maria Rilke

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3 Antworten zu Die Trauer – und wie gehe ich damit um

  1. Georgina Mourelatos 1. November 2016 um 9:13 #

    DANKE u.gratulation!gefühlvoller,informativer blog für trauernde.auch aus der eigenen trauerzeit ist der beitrag gut gestaltet.danke,dass ich teil dieser facebookgemeinde für ihre oma sein darf!-bin durch eine zweifache mutti,die mir das buch geschenkt hat,darauf gestossen-wie heisst es so schön?”zufall”-es fiel mir im wahrsten sinn ds wortes zu!Danke dafür!-viel kraft und liebe für die weiterbearbeitung ihrer trauerzeit.-habe am 8.11.in schönstatt wieder lichterrosenkranz,wo ich 50 kerzen anzünden darf(nach jedem gesetz 10 kerzen u.10rosen für maria),da werde ich 10 kerzen oma toppelreiter u.ihrer familie widmen.-in verbundenheit georgina mourelatos

  2. Claus F. Dieterle 1. November 2016 um 13:28 #

    Dazu zwei Aussagen der Bibel:
    Gott tröstet uns in all unserer Trübsal. 2.Korinther 1,4
    Weder Tod noch Mächte können uns trennen von der Liebe Gottes. Römer 8,38

    Auch die Teilnahme an einer Trauergruppe – religiös oder weltlich – kann hilfreich sein.

  3. Walter Kowatsch-Schwarz 2. November 2016 um 16:44 #

    Sehr gute Empfehlungen, gut geschrieben richtige Länge! Liebe Grüße un alles Gute, Walter K.

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